Das Main de Merde Theater Paris präsentiert:

Eine Cornuscopia Theaterkanal Produktion

Die tragikomische Drama-Lappalie in stereoskopischem 5.1-Kanal-Aquatic-Basso-Continuo-Surround

Von Monsieur le Ridiculiste Cetric
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'La Querelle du Nazi'
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Die Mitwirkenden in der Reihenfolge ihrer Gage:

Dieudonné M'bala M'bala,
Diableoublié Mplem Mplem, sein Cousin
Brute, le plus Brute des Brutes
Vercingetorix Quisling
Madame Puella
Maximilien Saint-Just, Angesteller von M'Bala M'Bala
Blandine, Unschuld vom Lande
Louis Quatorze-Quinze, Präfekt des Département Seine
Heinz-Himbert Hinrichtshofen
Mampfred, Comte de Sionismo
Ruprecht, Vice-Comptoir d'Antisionismo
Duclos, Agent de Police
Muammad, ein Banlieue-Opferabo
Heinrich-Humbert Chronishcrank, ein Forennazi
Timotheus-Alfons Squilla-Litoris, ein Forennazi
Dmitri Andrejew, ein Putin-Agent
Meyerbeer, ein Spelunkenwirt
Ein Agent Provocateur
Tittus Berlincorps, ein Tittist
Schröder, ein Maskulinist
Multiperplexus, sein Kumpel
Emma Schlagring, eine Femanze
Eine Gruppe Banlieue-Problembären
Chor der Politessen
Chor der Imbéciles

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BRUTE schleicht an Hauswänden entlang zur Ladentür mit der Aufschrift 'Guerres Civiles pretes-a-porter, Societe Anonyme', schaut sich um und schlüpft hinein. Die Ladentür bimmelt und BRUTE zuckt ertappt zusammen. An der unbesetzten Ladentheke richtet er sich auf, nimmt Haltung an, rührt sich.
DIABLEOUBLIE MPLEM MPLEM wischt einen Trennvorhang beiseite und tritt aus dem rückwärtigen Raum in den Thekenraum.

MM: "Monsieur wünschen?"
B: "Die nationale Erhebung, die große Abrechnung, ein bißchen Wallhalla für unsere Gefallenen und Schauprozesse für -"
MM (bricht den Redefluß mit einer Geste ab, gelangweilt): "Jaja, das Übliche. Vielleicht bescheiden Sie sich mit dem, was ich Ihnen verkaufen kann."
B (geheimnisvoll): "Ich habe da mit jemandem gesprochen. Mit jemandem 'Bestimmten', Sie verstehen? Der hat mir Ihren Laden empfohlen. Das ist eine hohe Ehre für Sie."
MM: "Ahh, mein Cousin Dieudonné hat wieder einen Narren gefunden?"
B: "Nicht ganz so. Ich, Brute, habe einen Narren an ihm gefressen. Das... ist eine hohe Ehre für ihn."
MM: "Also zwei Narren. Mit kannibalistischen Tendenzen."
B: "Sie scheinen mir nicht mit dem gebührenden Respekt von Ihrem glorreichen Cousin zu sprechen, dessen Molekularstruktur am arischen Erbe nippen durfte, wie auch die Ihre, Halbneger Mplem Mplem. Bin ich eigentlich im richtigen Laden oder ist das hier eine Briefkastenfirma von USraöl?"
MM: "Leichtlauföl ist gerade aus. Was wollen Sie denn herstellen, etwa Molotow-Cocktails?"
B (unwirsch): "Hören Sie, der Massa ist in einer höheren Mission unterwegs, kapiert? Vergeuden Sie also nicht meine völkisch wertvolle Zeit mit Kameruner Stammesscherzen. Man wird schließlich älter und möchte noch die große Abrechnung erleben. Ihre billigen Versuche, mich durch den Austausch von Barmixer-Rezepten abzulenken oder hinzuhalten, werden keinen Erfolg haben. Ich durchschaue Sie, trotz dunkler Pigmentierung!"
MM: "Oh, eine gesalzene Rechnung wollen Sie haben? - Warten Sie meine Rechnung ab!"
B: "Zur Sache: ich möchte eine Familienpackung Quenelles."
MM: "Tatsächlich? - Klößchen?"
B: "Sie haben mich schon richtig verstanden. Ich will Quenelles, möglichst alle, die Sie da haben. Die werde ich in die Besatzungszone USraöls einführen und Unruhen auslösen, stante pede!"
MM: "Quenelles a la Schicklgruber oder Quenelles a Le Pen?"
B: "Erstere! Ja-jaaaa! Das sind sie! Ich will sie, ich will sie alle! Mit viel brauner Soße!"
MM: "Quenelles sind gerade aus. Bedaure."
B: "Kann nicht sein. Das ist doch ein Geheimtipp. Sie machen wir etwas vor! Die Assis aus der Banlieue können sie unmöglich alle aufgekauft haben, die haben doch kein Geld!"
MM: "Tja, leider war das Gesundheitsamt vor Ihnen hier und hat meinen Lagerbestand beschlagnahmt. Wegen Geschmacklosigkeit und Ungenießbarkeit. Eine Gourmetnation wie Frankreich wird davon gespalten. Was kann ich da machen? So ist er eben, der Verbraucherschutz. Den müssen Sie unbedingt als erstes abschaffen, wenn Sie mit Ihren Armhochreißern an die Macht kommen, Massa Brute."
B: "ich werde mich bei Dieudonné M'bala M'bala über diesen miesen Service hier beschweren."
MM: "Ich sagte es doch schon: Die Obrigkeit hat eben reagiert, was soll ich da machen?"
B: "Harren Sie aus, lieber sympathischer Halb-Neger, seien Sie männlich und weiß! Auch Ihre Stunde der Abrechnung wird kommen. Ich muß Ihnen aber ein Geständnis machen... Ihre Wortwahl..."
MM: "Worte kosten nichts. Alte Kameruner Weisheit."
B: "...Ihre Wortwahl; Sie sprachen von 'Lager', von 'Beschlagnahme', von 'Schutz-schutz-dingens... Schutzstaffel sozusagen, und von 'Abschaffen', von 'Macht'.... jungejunge, ich gestehe Ihnen, Kamerad, daß Ihre hehren Wore eine erotisierende Wirkung auf mich... umpf... nicht ganz verfehlt haben. Sie kleiner pädosatanischer Ladengruppenverführer, Sie! Hehe."
MM:"ich muß mich doch sehr über die Freunde meines Cousins wundern."
B: "Ich mich auch. Aber mein Endsieg wird alles rechtfertigen."
MM: "Ich ertrage es nicht, Sie traurig zu sehen. Wollen Sie nicht stattdessen eine Querelle kaufen?"
B: "Hm, ist das jetzt ein unsittliches Angebot? Was beim Führerbärtchen ist eine 'Querelle'? Kann man damit auch Demokraten ärgern?"
MM: "Die Querelle du Nazi ist der neueste Schrei unter Fashionvictims."
B: "Das klingt gut, das klingt sehr gut! Opferschreie sind Musik in meinen Ohren, besonders bei solchen, die es nie NIE gegeben hat! Höhö. Oder die es nie NIE wieder geben darf! Höhö. Sie verstehen? - Ich nehme für den Anfang zwei Dutzend."
MM: "Gerne. Kommen Sie übermorgen wieder, dann sind sie fertiggehäkelt."
B: "Auf Übermorgen, Kamerad! Ich bin stolz auf Sie! Und auf mich! Heil Häkel!
BRUTE marschiert aus dem Laden.

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Im Büro eines kleinen Theaters im Faubourg. DIEUDONNE MBALA MBALA zählt gedankenverloren Geldscheine, während ihm sein Angestellter SAINT-JUST Vortrag hält aus ausgedruckten Listen.
SJ: "... Basecaps 34 Stück, minus drei Stück zur Vorwoche... Kugelschreiber mit Aufdruck 'Halt's Maul' 17 Stück, plus zwei Stück zur Vorwoche... "
DM: (auffahrend) "Moment mal, wie viele Juden haben unsere Basecaps gekauft?"
SJ: "Das geht aus der Aufzählung nicht hervor, Dieudo."
DM: "Scheiße. Wir müssen auf unserem Merchandising-Portal unbedingt eine Abfrage nach Religionszugehörigkeit einbauen, bevor die Deppen bestellen dürfen. Dabei kann man auch gleich alles viel teurer machen, für die, die viel Geld haben."
SJ: "Die Juden also?"
DM: "Du lernst... langsam zwar, aber immerhin lernst du dazu."
SJ: "Welcher Jude würde schon bei uns kaufen? - Und was ist mit den anderen? Deine Unterstützer in der Banlieue? Für die dann also billiger?"
DM: "Selbstverständlich NICHT! - Max, kaum habe ich dich gelobt, muß ich auch schon wieder Abstriche machen. Du mußt einfach ausbeuterischer denken! Niemand schenkt uns etwas, also verschenken wir auch nichts. Du mußt sie an der Gurgel fassen und zudrücken! Alte Kameruner Weisheit! - Sieh mich an, vor ein paar Jahren war ich noch ein kleiner Quotenpigmentierter, ein um Aufmerksamkeit bettelnder Linksgrüner-"
SJ: "Ja, einer unter vielen. Dann hast du ein neues Geschäftsmodell erkannt - und heute zittert die große Politik vor dir!"
DM: "Nur kein Neid, Kleiner! Ganz recht! - Sogar bei den Deutschen gibt es ein paar Irre, die mich für ihre Zwecke entdeckt haben. Du kennst die Zahlen. Unsere Exporte ins Nachbarland steigen monatlich an, besonders zu ... zu... dieser einen komischen Adresse da... Naja, ganz neue Aussichten für uns! Du wirst noch an meine Worte denken! Vielleicht werde ich tatsächlich mal Gauleiter vom Nord-Welschland-Gouvernement, oder wie die das nennen werden."
SJ: "Jetzt machst du aber Witze, Dieudo!"
DIEUDONNE MBALA MBALA wirft das Geldbündel auf den Tisch und holt aus einer Schublade einen Brief hervor, den er SAINT-JUST reicht.
DM: "Absolut nicht! Hier, lies! - Dieser Typ scheint heimlich in Deutschland eine gewichtige, eine ganz gewichtige Rolle zu spielen. Jedenfalls schreibt er das. Zufällig ist das auch dieselbe Adresse, wohin wir die Camions mit Plastikschrott schicken... Egal, so ganz blöd kann er nicht sein, sieh dort, er hat einen Dienstgradtitel, der eine ganze Schreibmaschinenzeile für sich in Anspruch nimmt, also eine echt wichtige Boche-Persönlichkeit, der kann noch ganz wichtig für uns werden! Der kauft uns nicht nur unseren Kram ab, der verspricht mir nach dem Endsieg ne tolle Stelle in der Neuen-Welt-Ordnung. Man soll nie 'nie' sagen, verstehste?"
SJ: (skeptisch) "Und du vertraust einem, der sich 'Tittus Berlincorps' nennt und nach jedem Absatz hier im Brief ein Möpse-Bild einklebt? Der ist doch höchstens sechzehn Jahre alt!"
DM: (überrascht) "Was? Zeig her!"
DIEUDONNE MBALA MBALA entreißt SAINT-JUST den Brief, überfliegt ihn. "Das ist der falsche! Warum sagst du nichts?"
DIEUDONNE MBALA MBALA reicht SAINT-JUST einen anderen Brief aus der Schublade.
"Der hier ist es. Mit Brüsten hat er nichts am Hut, dieser andere, dieser Tittus ist nur ein Brieffreund von mir, eine völlig unpolitische Verbindung fleischlicher Regungen..."
SJ: (verschwörerisch tuend) "Ja sicher. Ich habe aber darin auch das Wort für 'Klöße' gefunden, hehe."
DM: "Muß man dir denn alles erklären? Damit sind keine 'Quenelles' gemeint, sondern Möpse... Titten... Brüste... Holz vor der Hütt'n... Wir tauschen uns über solche grundlegende philosophische Dinge aus, der Tittus und ich, und eine ganze Menge weiterer Connaisseurs. Es ist ein ganzer Briefzirkel, jede Menge wichtiger Leute involviert, bis in belgische Regierungskreise, inkognito, aber was erzähl' ich dir davon-"
SJ: "Schon klar."
DM: "Diese spöttische Note kannst du dir schenken. Vergiß nicht, ich bin dein Boss. Zurück an die Arbeit; lies mir vor!"
Es klopft an der Tür. Die beiden achten nicht darauf. SAINT-JUST nimmt seine Listen zur Hand.
SJ: "Videos mit Unterwasser-Quenelles-Videos drei Stück, im Vormonat vier-"
Es klopft abermals.
DM: "Erinnere mich daran, dieses Video aus der Boutique zu kegeln. Das will kein Schwein sehen. Auf der Bowlingbahn auch nicht."
SJ: "Ich glaube, da ist jemand an der Tür."
Sie halten beide ein. DIEUDONNE MBALA MBALA räuspert sich. Die Tür geht auf und VERCINGETORIX QUISLING steckt den Kopf herein.
V: "Oh, ich dachte hier wäre die Künstler-Garderobe von 'Game of Thorns'."
DM: "Was wollten Sie denn in der Garderobe? Das ist übrigens ein Theater und kein Fernsehraum."
V: "Könnte sich auch um eine Verschwörung handeln, nicht? - Nun, eine Frage: Haben Sie nicht zufällig Jesuiten gesehen?"
DM: "Warum Jesuiten, zum Teufel? Das hier ist 'Privat', falls Sie den Ausgang aus meinem Theater nicht von alleine finden, kann ich gern den Türsteher herbeirufen."
V: "Nur keine Umstände, Herr Neger. Ich gehe schon von alleine. Ich hoffe, ich habe nicht gestört. Sie haben, bei der Gelegenheit, nicht zufällig belastendes Material gegen antideutsche Foristen oder Anti-Putinisten, da ich schon mal da bin? Bieten Sie alles an, ich guck dann schon-"
SJ: "Wovon redet der Typ?"
DM: "Ich habe keine Ahnung."
V: "Schon gut, schon gut. Ich habe ja auch keine Ahnung. Bemühen Sie sich nicht. Ich bin schon wieder weg! So gut wie! Ich kaufe auch draußen ein T-Shirt in Ihrem Shop, zum Ausgleich, obwohl mit Jesuiten-"
DM: "Raus!!"
DIEUDONNE MBALA MBALA erhebt sich hinter seinem Tisch und macht eine drohende Geste. VERCINGETORIX QUISLING zieht den Kopf ein und schließt die Tür hinter sich.
SJ: "Was wollte der nur? War auch ein Deutscher, nicht?"
DM: "Wie auch nicht, mit dem Akzent! - Langsam wird mir mulmig bei diesem Publikum. Tauchen blitzartig auf, nie weiß man, an wessen Untergang sie gerade basteln, und ziehen dann geisterdivisionsartig wieder ab. Sehen wir zu, daß wir gute Geschäfte mit ihnen machen, das ist immer noch das beste Überlebenskonzept."

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Eine heruntergekommene Spelunke in der Banlieue. Der Wirt MEYERBEER spült Gläser. Unter den Gästen befinden sich HEINRICH-HUMBERT CHRONISHCRANK, TIMOTHEUS-ALFONS SQUILLA-LITORIS, SCHRÖDER, MULTIPERPLEXUS und der AGENT PROVOCATEUR. In einer Ecke tauschen die BANLIEUE-PROBLEMBÄREN Flüche, grobe Scherze und den Rap-Stars nachempfundene Gesten aus.
CC: "Wo leben eigentlich diese Franzosen? Man kriegt hier ja nur Neger und Sandneger zu sehen. Da hätte ich auch im vermuselten Stuttgart bleiben können."
SL: "Die Franzosen müssen bereits umgevolkt worden sein. - Das ist Plusquamperfekt, mit einem Feigenblättchen von Hilfsverbum. Vielleicht kommen wir zu spät, wenn wir den Schulterschluß mit den Le Pen - Leuten suchen? - Ich hoffe das war keine rhetorische Frage. Ich brauche das gemeinsame Ablästern vor dem Zubettgehen, sonst kriege ich Kopfschmerzen."
CC: "Mit wem willst du denn ablästern, Kamerad Timotheus-Alfons? Hier sind außer dem Wirt keine Franzosen. - Keine echten, meine ich. Und mit den Ölaugen da versuchst du es besser erst gar nicht, sonst hast du im Nu ein Messer im Bauch."
SL: "Im Bauch? Ich hätte aber lieber eines im Rücken. Darüber können sich die Leute daheim im Forum viel besser aufregen. Ich weiß das, schließlich bin ich der Dirigent."
CC: "Nein-nein, wir brauchen dich noch. - Herr Wirt, Sie sehen mir aus wie ein indigener Franzose. Wo findet man solche Exemplare wie Sie? Wir haben ein kommunikatives Bedürfnis zu stillen."
MEYERBEER hört auf die Gläser zu polieren.
MY: "Die Toiletten sind da rechts um die Ecke. Aber nicht das Klopapier klauen."
SL: "Nein, er meinte das nicht. Er fragte nach uns würdigen Gesprächspartnern, mit denen wir ein bißchen Hetze betreiben können... Sie wissen schon;-" (linkisch die Melodie intonierend) "- 'ein bißchen Spaß muß sein'... Wir haben hier nämlich keinen Internet-Zugang und sind isoliert von unseren Freunden und der Brauchtumspflege."
MY: "Verstehe ich Sie recht; Sie suchen andere Nazis?"
CC: "Nicht so laut! Etwas Diskretion, wenn ich bitten darf, wir sind hier nicht in einem Forum! - Ich weiß nicht, wie man hier im fremden Ländle mit unsergleichen verfährt, also mit strahlenden Helden wie uns, wenn man ihrer habhaft wird-"
MY: "Oh, nichts besonderes. Man macht sie zu Bürgermeistern. Wenn es gute Geschäfte verspricht, werden manche auch zu Entertainern."
Der AGENT PROVOCATEUR kommt näher und bestellt sich an der Theke einen Drink. Wie beiläufig wendet er sich an CHRONISHCRANK und SQUILLA-LITORIS.
AG: "Sie beide sehen aus wie aufrechte Patrioten. Ich darf mich Ihnen darum offenbaren. Wie wäre es mit einem Scherlingsbecher? Ich gebe einen aus! So kommen wir leichter ins Gespräch."
MY: "Scherlingsbecher habe ich nicht im Programm. Werden zu selten nachgefragt.  Wie wäre es mit einem Eau de Vie? Oder einem Peche?"
SL: "Wir konsumieren keinen Froschfresser-Kram, da gibt es kein Reinhaltungsgebot. Ich nehme lieber einen Schnaps!"
CC: "Recht so, Kamerad! Ausländische Produkte nachfragen ist Verrat am heimischen Schwarzbrenner. Daher werde ich hier einen Pfirsischlikör bestellen."
AG: "Eigentlich wollte ich nur ein Getränk für Sie beide ausgeben. Zu mehr reicht meine Spesenkasse nicht-"
MY: "Was soll ich den Deutschen jetzt geben? Mein Eau de Vie und den Aperitif a la Peche haben sie abgelehnt."
AG: "Was ist noch billig, sodaß es für zwei Gläser reicht? Vielleicht normannischer Cidre?"
MY: "Immer noch zu französisch für diese Herren, fürchte ich.  Aber gut, wir können's ja mal probieren." (sich an sie wendend) "Also Cidre? Doux oder brut?"
CHRONISHCRANK und SQUILLA-LITORIS fahren wie elektrifiziert auf.
SL: "Das Wort - hast du es auch gehört, Heinrich-Humbert?
CC: "Da waren zwei Aphrodisiaka. Meinst du Dutroux oder Brute?"
AG: "Freunde von Ihnen?"
SL: "Läuft auf dasselbe hinaus." (wohlig geschüttelt) "Pädosatanismus!"
AG: "Was ist das? Es klingt irgendwie verboten."
MY: Es gehörte verboten, wenn es das nicht schon wäre."
AG: "Lassen Sie doch mal unsere Freunde erklären-"
CC:  (zu Squilla-Litoris, in Ehrfurcht erstarrt) "Stell dir vor, 'Er' wäre hier! 'ER'!"
AG: "Wer denn?"
MY: (ungeduldig) "Also was jetzt - doux oder brut??"
SCHRÖDER und MULTIPERPLEXUS nähern sich der Theke um besser zuhören zu können.
SR: "Verzeihen Sie, daß wir Sie ansprechen, aber Sie scheinen männlich zu sein. Außerdem könnten Sie Deutsche, gewissermaßen männliche Deutsche, sein."
CC: (indigniert) "Ja, aber wer oder was sind denn Sie?"
SL: "Jedenfalls kein Femininum. Neutrum könnte angehen-"
PX: (hervorsprudelnd) "Er ist der berühmte Schröder, und ich kann bestätigen, daß er ein echter Mann ist, und ich auch - mein Name ist Multiperplexus. sozusagen sein zweites Ich. Wir kämpfen beide seit Jahren mit allergrößtem Erfolg selbstlos gegen die Seuche der Schlampen-Emanzipation. Sicher haben Sie von uns überall gehört!?"
CC: "Nein, das habe ich nicht. Ich bin Heinrich-Humbert Chronishcrank - und das ist mein Kollege und wandelnde Duden-Prachtausgabe Timotheus-Alfons Squilla-Litoris. Wir beide sind selbstlose Kämpfer für das Herrenmenschtum. Angenehm."
SL: "Er meint mich. Ich bin die erwähnte Prachtausgabe. Und ich kann nicht sagen, daß es mir angenehm ist."
SR: "Daß Sie die 'Pussy' sind, ist Ihnen nicht angenehm? Das kann ich nachfühlen. Nicht gerade maskulin-dominant, diese Bezeichnung."
SL: "Nein! Mit Ihnen bekannt gemacht zu werden ist mir nicht angenehm! Und erwähnen Sie nie wieder diese Frechheit von Schimpfnamen!"
MY: "Entschuldigen die Herren, was wird jetzt aus dem Cidre? Er steht offen und perlt aus."
PX: "Wir sind wegen eines Maskulinisten-Kongresses hier in Paris. Im Untergrund, versteht sich. Der Widerstand ganz Europas sammelt sich, und wir können sagen, das ist ganz allein das Verdienst von meinem übermännlichen Freund, dem einsamen Rufer in der Wüste, den niemand hört; Schröder!"
SR: "Er meint mich, nur damit das klar ist."
SL: "Nicht 'Verdienst von meinem'... das muß 'Verdienst meines' heißen."
AG: "Welche Ziele verfolgt denn der Maskulinisten-Kongreß? An welcher Metro-Station kann ich den finden?"
CC: "Schluß damit! Uns interessiert dieser Unsinn nicht, wir würden lieber mit der Front National Tuchfühlung aufnehmen."
SL: "Außerdem hörten wir gerade von einem großen Namen, der hier in der Stadt sein soll, wie man munkelt."
SL "Wußte ich es doch. Sie haben ihn gefunden. Ich bin es. Sie wissen sicher, daß meine Schulaufsätze noch Jahre später im Glaskasten meiner früheren Schule ausgestellt wurden. Das sind epochale Werke männlichen Intellekts."
PX: "Ja, Herr Schröder ist ungemein klug. Und ich bin sein zweites Ich, vergessen Sie das nicht.!
AG: "Sie kennen also Leute von der hiesigen Rechtsextremen? Was haben die nur vor? Ich wollte ja auch schon immer mal Mitglied werden, aber traute mich nicht, weil ich im Staatsdienst beschäftigt bin."
MY: "Aus dem Cidre entwicht das moussierende Gas. Soll ich jetzt die Flasche wieder zustöpseln oder was?"
SL: (dem AGENTEN auf die Schulter klopfend) "Verzagen Sie nicht, junger Mann! Irgendwann wird die alte Rechtschreibung wieder eingesetzt, ich werde Moderator auf allen Foren und Herr der Rotpünktchen, dann weht der Wind der Freiheit durchs ehemals geknechtete Europa!"
CC: "Heute Europa und morgen der ganzen Welt, hast du vergessen."
SL: "Ja, natürlich."
SR: "Wegen der Rechtschreibreform?"
AG: "Wie stehen die Herren eigentlich zu dieser neumodischen Protestgeste, dieser... wie heißt sie doch gleich... der 'Quenelle'?"
SL: "Dieses Wort steht nicht in meinem Duden, dem von 1955. Darum existiert dieses Wort auch nicht."
MY: "Wenn das hier so weitergeht, kann ich den Cidre auch gleich in den Ausguß schütten, ihr Banausen!"
PX: "Cidre? - Das ist was für Frauen!"
SR: "Richtig! Eins auf's Maul!"
PX: "Wenn überhaupt, dann nur notgedrungen als Verdurstender in der Wüste, und zwar brut und nicht doux, das wäre für Schwuchteln."
SR: "Nein, nicht mal in der Wüste! Multiperplexus, du mußt noch konsequenter werden, statt Konzessionen ans Weibische zu machen!"
PX: "Verzeih, ich war nicht ganz bei mir."
SL: (zu CHRONISHCRANK) "Hast du gehört? Die kennen auch den Großmeister des Pädosatanismus. Er hat Brute erwähnt."
SR: "Wenn ihn sonst keiner trinkt, erbarmen wir uns des Cidre, aber er darf nichts kosten. Es wäre unschwäbisch, für ein abgestandenes feminines Getränk ohne Not auch noch Geld zu bezahlen."
MY: "Ich glaube ich muß hier gleich mal Lokalverbote aussprechen."
CC: "Nicht wirklich ein Verlust. Hier gibt es keinen Schnaps, keinen Pfirsischlikör, nicht mal ordinären Äppelwoi. Bestimmt wegen der unerträglichen Moslem-Kundschaft. Kulturbereicherung! Ich sage es ja immer! Was gibt es denn überhaupt in diesem Laden - vergorene Kamelstutenmilch?"
CHRONISCHCRANK und SQUILLA-LITORIS lachen. SCHRÖDER und MULTIPERPLEXUS sehen verwirrt drein, MEYERBEER scheint wütend zu werden. Die BANLIEUE-PROBLEMBÄREN sind still geworden und schauen herüber.
AG: "Nun, vielleicht ein andermal. Ich muß jetzt gehen."
Der AGENT PROVOCATEUR bugsiert sich an den PROBLEMBÄREN vorbei und verschwindet. Die GRUPPE bewegt sich langsam auf den Tresen zu. SCHRÖDER und MULTIPERPLEXUS bekommen es sichtlich mit der Angst zu tun und streben ebenfalls aus dem Lokal. Dabei murmeln sie etwas von 'Terminen'. Die GRUPPE PROBLEMBÄREN umringt die verbleibenen Gäste CHRONISHCRANK und SQUILLA-LITORIS.
MY: "Jungs, diese beiden Touristen wissen unsere vorzüglichen Getränke nicht zu schätzen."
SL: "Aber davon kann ja gar keine Rede sein. Es kann sich nur um ein grammatikalisches Mißverständnis handeln."
SQUILLA-LITORIS nimmt ein Glas Cidre auf und animiert CHRONISHCRANK, es ihm gleich zu tun.
SL: "Nicht wahr, Heinrich-Humbert? Wir hatten doch beide immer eine Schwäche für alles Ausländische... fürs Froschfressen insbesondere..."
CC: "Jetzt, da du es sagst, fällt's mir auch auf." (nimmt das andere Glas auf und prostet den Umstehenden zu.) "Das gilt auch für das Essen von Schnecken... Vive la Stute... la Gaule... de Gaule-"
MY: "Die jungen Leute hier leben in einer anderen Welt. Und ihr Held ist Dieudonné M'Bala M'bala."
SL: "Aber das ist doch ein Neger." (CHRONISHCRANK gibt ihm einen Rippenstoß.) "Na gut. Folgt dieser kanakische Namen wenigstens einer Rechtschreibregel?"
Stimme aus der GRUPPE: "Vorsicht!"
MY: "Unsere Gäste werden nun mit Euch Verbrüderung trinken, dazu werfen sie eine Lokalrunde, nicht wahr?"
CHRONISHCRANK und SQUILLA-LITORIS stimmen fast erleichtert zu und zücken ihre Brieftaschen, um den Wirt im voraus zu bezahlen.

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DUCLOS, Agent de Police, beschattet VERCINGETORIX QUISLING, der suchend zwischen den Grabmälern des Friedhofs Pere-LaChaise herumstreicht. Verteilt über das Grundstück stehen BRUTE, MADAME PUELLA  und BLANDINE. Letztere scheint sich tatsächlich mit Grabpflege zu beschäftigen, die anderen flanieren herum. Als VERCINGETORIX QUISLING an die Stelle kommt, wo BLANDINE an einem Grab arbeitend kniet, öffnet er den Mantel und tritt so mit einem effektheischenden Laut an sie heran. DUCLOS hat aufgepaßt und faßt ihn sofort von hinten am Schlafittchen. BLANDINE erschrickt und blickt auf.
D: "Hab' ich dich auf frischer Tat ertappt, Freundchen!"
VERCINGETORIX QUISLING windet sich, versucht sich umzudrehen, aber der Polizist legt ihm mit geübten Griffen Handschellen an.
V: "Das ist ein Mißverständnis! Ich kann alles erklären!"
D: "Was gibt es da noch zu erklären? - Ich habe Sie bei einem eindeutigen Fall von Exhibitionismus gestellt! Und das auf einem Friedhof, schämen Sie sich!"
BLANDINE steht auf und steht unschlüssig vor den beiden.
D: "Mademoiselle, Sie waren das Ziel dieser unsittlichen Attacke. Sie können alles bezeugen. Würden Sie uns bitte auf die Wache begleiten?"
BE: "Aber der Mann ist doch voll bekleidet."
D: "Ja, jetzt wo der Mantel zu ist. Aber eben noch hatte er ihn vor Ihnen in unsittlicher Weise weit aufgemacht. Wir alle wissen, was das bedeutet."
V: (ärgerlich) "Ich sagte doch, es ist alles ein Mißverständnis. Ich wollte mich gar nicht entblößen. Schauen Sie nach, ich bin unter dem Mantel vollständig angezogen."
D: "Das macht doch gar keinen Sinn."
BE: (interessiert) "Wie würde es denn Sinn machen?"
D: (geschäftsmäßig dozierend) "Gewisse perverse Männer pflegen vor Damen ihren Mantel zu öffnen um ihre Genitalien vorzuzeigen und anzupreisen. Sie finden das selbst erregend. So geschieht das an öffentlichen Plätzen wie diesem hier, und in Parks. Wir haben aber ein Auge drauf."
BE: (staunend) "Auf den Genitalien?"
D: "Nein, natürlich nicht. Uns interessiert der Tatbestand der Belästigung der Damen. Das ist nunmal strafbar."
V: (ungeduldig) "Würden Sie jetzt bitte nachsehen, wie's unter dem Mantel ausschaut, um das Ganze abzukürzen? Ich habe heute noch was vor."
D: "Das werde ich entscheiden, ob du heute noch Termine wahrnehmen kannst oder nicht, Freundchen."
BE: "Also, Monsieur Flic, ich kann bezeugen, daß er allzeit bekleidet gewesen ist."
D: (lauernd) "Wie haben Sie mich eben genannt?"
V: "Wollten Sie nicht nachschauen, ob der Tatbestand der Entblößung überhaupt gegeben war?"
DUCLOS schickt sich an vor VERCINGETORIX QUISLING zu treten, um dessen Mantel aufzuklappen und sich zu vergewissern. BRUTE wird aufmerksam und nähert sich der Gruppe. MADAME PUELLA flaniert unbeeindruckt weiter zwischen den Grabmälern umher, sie scheint berühmte Namen zu suchen.
DUCLOS hat sich inzwischen davon überzeugt, daß VERCINGETORIX QUISLING tatsächlich bekleidet unter dem Mantel ist. Er nimmt ihm die Handschellen wieder ab.
D: "Aber was sollte dann das Ganze? Haben Sie sich einen Scherz mit Mademoiselle geleistet?"
BRUTE ist hinzugetreten. Er mustert die Anwesenden.
B: "Da bin ich ja gerade nochmal rechtzeitig dazwischen gegangen, ehe es zu rituellen Kinderschlachtungen kommen konnte."
D: "Wie bitte? Wer sind Sie?"
V: "Ich habe das Erkennungszeichen der Jesuiten ausprobiert... den Luftpropeller im rechten Innenfutter und die Dornenkrone auf der linken Innentasche vorgezeigt. Nur für den Fall, daß Mademoiselle eine Agentin des Ordens wäre."
B: (achtungsvoll) "Ahhh - Sie interessieren sich für die dunkle Seite der Macht?"
BE: "Bitte, Monsieur Flic, erklären Sie mir von was diese Leute reden. Ich verstehe nur 'Bahnhof' und davon wird mir schwindlig."
D: (tadelnd) "Sie sollen mich doch nicht so nennen!"
V: "Manche Leute sollten nicht schneller reisen als mit dem Fahrrad."
B: "Niederträchtiger Systemling! Demokraten-Knecht! Sie werden nicht mehr lange friedliche Bürger auf Friedhöfen schikanieren, wenn diese sich auf der ehrenvollen Suche nach schädlichen Elementen wie Jesuiten oder Illuminaten entblößen!"
D: "Wer sind Sie überhaupt, verdammt? - Weisen Sie sich aus!"
B: "Wer könnte ich schon sein, Demokraten-Büttel? - Natürlich bin ich es, der große Brute. Le plus Brute des Brutes, um genauer zu sein."
D: "Sind Sie Satanist oder sowas?" (kratzt sich am Kopf) "Von so einem habe ich noch nie gehört. Ich hatte aber schon Dracula-Darsteller. Werwölfe und jede Menge Gothics."
V: "Und ich? Kann ich jetzt gehen?"
B: "Bleiben Sie, junger Mann. Ich glaube, wir sind seelenverwandt. Wir müssen unbedingt miteinander konspirieren. Walhalla muß unsere Pfade zueinander gelenkt haben."
V: "Also der große Brute sind Sie? Den wollte ich schon immer mal persönlich kennenlernen." (VERCINGETORIX QUISLING schüttelt BRUTE die Hände.) "Jetzt kann ich mich ja offenbaren: wir kennen uns vom Forum! Dein treuer Spion! Ja - ich bin Vercingetorix Quisling, großer Brute! Es ist mir eine Ehre!"
BE: "Sind das verrückte Touristen? Was wollen die eigentlich auf dem Pere LaChaise?"
D: "Das wüßte ich auch gerne. Wegen welchem Grab sind Sie gekommen? Steigt da heute eine Schwarze Messe oder sowas?"
B: "Ahnungsloser! Die Messen werden in Ihrer eigenen Regierung gefeiert, und wo immer die transatlantischen Globalisten im Auftrag der Juden ihre blutverschmierten Griffel hinstecken!"
V: "Niemand hat den großen Durchblick des großen nationalen Durchblickers und Witchfinder-Generals Brute! Und ich bin sein Kumpel!"
BE: "Diese Typen machen wir Angst!"
V: "Wollen wir mal die Hexenprobe mit ihr machen, Brute?" (kichert)
B: "Dummes kleines Ding! Vor USrael solltest du Angst haben, du bist einer pädosatanischen Opferung auf der letzten Fete Merkels und Hollandes wahrscheinlich nur mit viel Glück entgangen! - Im Internet kursiert Videomaterial; ich weiß, wovon ich phantasiere!"
D: "Unsinn, von solchen Dingen wüßte ich. Mein Cousin arbeitet im Triebtäter-Dezernat."
MADAME PUELLA kommt auf Hörweite heran, sie wird aufmerksam auf das Gespräch.
V: "Es war schon immer mein innigster Wunsch, dir leibhaftig zu begegnen, oh Brute! Seit du das große Märtyrium der Permasperre auf dich nahmst, laufen wir alleingelassenen Schäflein im Forum mit Fackelzügen im Kreis und stimmen Trauergesänge-"
PU: "Ohne die Beiträge von Brutus ist ein ganzes Stück Wahrheit verloren gegangen!"
VERCINGETORIX QUISLING stutzt und starrt nachdenklich MADAME PUELLA an.
V: "Du mußt Puella sein! Die beschränkte Krawallschachtel mit dem Herz am rechten Fleck! Ich erkenne deine Signatur wieder!"
PU: "Es ist ein Wunder! Wir alle an einem Ort vereint, so fern der Heimat, unter der segnenden Hand des allmächtigen Brute!"
VERCINGETORIX und MADAME PUELLA fallen sich weinend um den Hals. BLANDINE macht einen verstörten Eindruck.
D: "Ist ja rührend. Ist eine Nervenheilanstalt in Deutschland pleite gegangen? Was wollen Sie eigentlich alle hier? Wir haben auch so schon genug Probleme."
BE: "Bringen Sie mich nach draußen, Monsieur Flic."
B: "So sollst du ihn doch nicht nennen, Dummchen! Nenne ihn stattdessen zutreffenderweise 'Folterinstrument des Zionismus zur Geißelung Frankreichs'!"
PU: "Steinigen wir ihn! Hier liegen doch genug Steine herum!"
V: "Dein heiliger Eifer in Ehren, Puella, aber wir befinden uns im feindlichen Ausland und sollten jeden Schritt sorgsam überdenken. Hier genießen wir nicht den Schutz antideutscher Systemlinge. Mit Franzosen kenne ich mich nicht gut genug aus."
D: "Aha. Sie sind also Nazis? Alle drei?"
B: "So sollen Sie uns doch nicht nennen, Dumpfbacke. Nicht, wenn Ihnen ein gemütliches Plätzchen in der nächsten Vichy-Regierung vorschwebt... und das sollte es wirklich!"
D: "Ich hätte lauschige Plätzchen im Knast anzubieten."
B: "Nur Plätzchen? Oder gibt es dort auch Quenelles?"
V: "Schau nur, Brute, er trägt sein Dienstkepi um drei Grad nach rechts verschoben. - Was sagt uns das? Dieser Polizist ist Logenmitglied! Es ist das Geheimzeichen eines Freimaurers der Mörtelkelle sechster Ordnung mit Speiseresten."
BE: (den Polizeibeamten ängstlich am Ärmel ergreifend) "Lassen Sie uns verschwinden. Diese Irren machen mir Angst-"
PU: "Steinigen, sage ich! Wozu bin ich eigentlich hergekommen! Ich will Blut sehen! Wenn es schon nicht in der Banlieue kracht, dann wenigstens hier!"
V: "Warum bist du eigentlich in Paris, großer Brute?"
DUCLOS zieht seine Polizeipfeife und pfeift darauf nach Verstärkung. BLANDINE klammert sich an ihn.
B: "Die korrekte Anrede, Vercingetorix, ist 'Le plus Brute des Brutes'! Ich bin ja nicht eitel, aber darauf lege ich Wert. Es hebt mich so hervor unter all der arschkriechenden Miserabilität um mich herum. - Ich bin hier, um Quenelles zu erwerben, direkt beim Erzeuger, und dem Widerstandskämpfer Dieudonné M'Bala M'Bala meine Aufwartung zu machen."
DUCLOS PFEIFT NOCH MAL.
D: (zu BLANDINE) "Beruhigen Sie sich. Verstärkung sollte gleich eintreffen. Hier auf dem Friedhof sind immer mehrere Kollegen unterwegs."
V: "Aber ist der nicht ein Neger, der M'bala?"
B: "Wir wollen gnädig über seinen Geburtsfehler hinwegsehen. Du bist ja auch nur halber Deutscher."
V: "Ja, manchmal kann ich wegen dieser Ungerechtigkeit nicht einschlafen."
PU: "Keine Steinigung also? Alleine fang ich es erst gar nicht an."
B: "Ist auch besser so , Puella. Wir müssen clever vorgehen, nicht so plump."
PU: "Oder geht es gegen den Neger? Da bin ich natürlich auch dabei!" BRUTE schüttelt nachsichtig den Kopf.
Rufe von herannahenden Polizisten werden laut. DUCLOS zieht schon mal seinen Gummiknüppel.
D: "Im Namen der Republik; ich erkläre Sie drei für vorläufig festgenommen."
PU: "Da kommen noch mehr uniformierte Freimaurer! Wollen wir die alle steinigen?"
V: "Ich bin eher für's Türmen. Ich bete ja auch unablässig für den Bürgerkrieg, aber doch nicht hier und nicht auf dem Friedhof. Das wäre unchristlich."
Die Stimmen kommen näher.
D: (seine Kollegen anrufend) "Hierher!" Stößt in seine Pfeife.
B: "Sie dämlicher Verräter! Den warmen Platz in Vichy können Sie vergessen!"
BRUTE FLÜCHTET; dann VERCINGETORIX, zuletzt MADAME PUELLA, die noch ein oder zwei Steine fallen läßt, die sie aufgesammelt und mit denen sie herumgespielt hatte.
BE: "Was sollte nur dieses Gerede von 'Quenelles'?"
D: "Seien Sie unbesorgt, Mademoiselle. Das einzige, was diese Nazis bekommen werden, ist eine Querelle."

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MUAMMAD kommt zur Tür des Ladens von MPLEM MPLEM herein. DIABLEOUBLIÉ MPLEM MPLEM erwartet ihn fußtrippelnd, mit verschränkten Armen und schaut tadelnd demonstrativ auf seine Uhr. MUAMMAD scheint nicht zu verstehen und will an ihm unbeeindruckt vorbei in den Hinterraum durchschlüpfen. MPLEM MPLEM verstellt ihm den Weg.
MM: "Halt, halt! So geht das nicht!"
MU: (unwirsch) "Was? Was geht nicht? Spinnst du, Alter?"
MM: "Du kommst fast immer zu spät! Du mußt dich etwas in deinen Gewohnheiten dem Job anpassen, wenn du ihn nicht verlieren willst, Muammad!"
MU: "Hey, Boss, red kein' Scheiß, du weißt ich bin als kleiner Junge die Treppe raufgefallen, gestoßen von einem Juden-Golem, da kannste nicht von mir erwarten-"
MM: "Dann kürze ich eben dein Gehalt, wenn es anders nicht klappt mit der Disziplin."
MU: "Was ist das denn für'n Scheiß; 'Disziplin'? Wo sind wir hier, in einem Arbeitslager? Boss, du kannst mir nicht mein Gehalt kürzen, ich brauch' jeden Cent, ich spar' doch auf mein Ticket nach Syrien, um in dem Dschihadd mitzumachen, oder vielleicht geh' ich auch in den Irak, da enthaupten sie gerade Ungläubige! Cool! Ich brauch' Geld, wirklich, Boss, ohne Scheiß!"
MM: "Dann komm pünktlich zur Arbeit und mach sie zu meiner Zufriedenheit, ganz einfach!"
MU: "Ich bemüh' mich echt, Boss!"
MM: "Dann ran an die Arbeit, hast schon genug Zeit verloren."
MU (erleichtert lachend): "Für einen Moment hast du mir Angst gemacht, Boss, hast gesprochen wie ein Nazi, mit Disziplin und Arbeit macht frei und so, so voll mit Druck, ich hab' geglaubt ich bin im Film!"
MM: "Los jetzt!"
MUAMMAD will unter dem Trennvorhang nach hinten durchschlüpfen, stutzt dann aber und wendet sich um zu MPLEM MPLEM.
MU: "Was hab' ich eigentlich zu tun? Was ist so eilig, daß du mir so in den Arsch trittst, Alter?"
MM: "Wir brauchen Quenelles! Kundenauftrag! Nun ans Werk, baue Quenelles!"
MU: "Ach, diese Dinger... wer kauft denn den ganzen Scheiß?"
MM: "Das braucht dich nicht zu interessieren. Sei froh, daß wir dir einen Job bieten. Du bist doch auf Bewährung draußen, oder?"
MU: "Willste mir drohen, Boss? Ich arbeite für euch, aber dafür braucht ihr mich nicht wie einen Hund zu behandeln!"
MM: "Ich kann auch Schuhe nach dir werfen!"
Nacheinander kommen TITTUS BERLINCORPS und DMITRI ANDREJEW in den Laden, schauen sich prüfend um. MPLEM MPLEM bemerkt sie und ändert seinen Ton gegenüber MUAMMAD.
MM: "Junge, sei froh, daß du hier arbeiten darfst. Draußen stehen zehn Leute Schlange, um deinen Job zu übernehmen, falls du ihn verlieren solltest. Und jetzt and die Arbeit!" (An die Kunden gewandt, bedeutend freundlicher) "Kann ich den Herren weiterhelfen?"
TB: "Habt ihr Pornos? Ich meine, solche mit Riesentitten?"
DA: "Ich gehöre nicht zu dem Gospodin hier. Bedienen Sie ihn zuerst, ich warte so lange."
TB (pikiert): "Ach, haben Sie Angst, für meine Begleitung gehalten zu werden? Schwul, was? Jeder normale Mann ist bereit für gigantische Brüste zu sterben! Ist Fakt!"
MM: "Ich betreibe keinen Kiosk mit Zeitschriften."
TB: "Wer redet denn von Zeitschriften, Bubi? Muß ich deutlicher werden?"
DA: "Vielleicht ist der Gospodin auf der Suche nach weiblicher Gesellschaft und glaubt, hier sei eine Vermittlungsagentur für gewisse Dienste?"
TB: "Willst du dich lustig über mich machen? - Allerdings bin ich tatsächlich immer scharf-"
MM: "Wenn Sie Zuhälterdienste von mir erwarten, sind Sie hier falsch."
DA: "Sagte ich doch. Bin ich froh, daß ich keinen unnatürlichen Brustumfang habe."
TB: "Wir können auch vor die Tür gehen, wenn du eines aufs Maul haben willst. Wer bist du überhaupt?"
DA: "Ein russischer Tourist."
MM (herrscht MUAMMAD an, der gebannt stehengeblieben ist und zuhört): "Willst du wohl arbeiten!?" (MUAMMAD verschwindet im Hinterzimmer) "Betragen Sie sich, ich habe genug Scherereien mit der Polizei."
TB: "Ach, so scharfes Zeug halten Sie unter dem Tisch versteckt? Laß mal sehen, ich bin Connaisseur..."
MM: "Was wollen Sie jetzt eigentlich in diesem Geschäft? Über der Tür steht 'Guerres Civiles pretes-á-porter', das ist ja wohl unmißverständlich."
DA: "Sehr interessant. Deswegen bin ich hier."
MM: "Und Sie? Was ist mit Ihnen?"
TB: "Ich kann kein französisch. Genauer gesagt ist die ganze Leckerei nicht mein Ding. Immer heftig rein, das ist meine Devise."
MM: "Wovon reden Sie, zum Teufel?"
DA: "An dem sehen Sie die Verkommenheit des Westens. Entweder die Kerle sind schwul, oder übersexualisiert oder beides zusammen. Aber es gibt ja noch das Heilige Rußland. Wir werden die Welt retten."
TB: "Willst du mich anmachen?"
DA: "Gott bewahre!"
TB: "Du bist Russe? - Hm, wie schafft ihr es nur in euren weiten Einöden, so leckere Frauchen zu züchten? Nur an der Oberweite, daran müßten wir noch arbeiten!"
MM: "Also, für diese Art Gespräche brauchen Sie meine Dienste und meine Zeit nicht. Wollen Sie sich nicht draußen weiter unterhalten?"
DA: "Nein-nein, ich bin an Bürgerkriegszenarios interessiert, sehr sogar. Habt ihr auch falsche Referenda im Angebot?"
TB: "Lenke nicht ab, Kumpel. Magst du die Blonden oder lieber die Dunklen?"
DA: "Gospodin denken dabei an weiße oder schwarze Brüste?"
TB: "Nein, an die Haarfarbe natürlich! Hör mir auf mit Negern!"
DA: "Behaart sollen die Brüste also auch noch sein?"
MM: "Bitte verlassen Sie mein Geschäft. Ich bin Halbneger, wie ein wichtiger Kunde kürzlich bemerkte."
DA (zu TITTUS BERLINCORPS): "Haben Sie gehört? Sie sollen gehen. Ich bin ja hier wegen Bürgerkriegsbedarf, habe also eine Daseinsberechtigung, aber Sie denken an nichts anderes als Titten."
MUAMMAD kommt aus dem Hinterzimmer und wedelt mit einem Schmuddelheft herum.
MU: "Ich hab genau so Sachen die der Kunde gern sehen möchte!"
TB: "Immer her damit!"
MM (dazwischenfahrend): "Nicht auch noch Muammad! Zurück an die Arbeit! Laß den Herrn in Ruhe, wir sind hier nicht in der Banlieue!"
Vor der Ladentür baut sich der CHOR DER IMBECILES auf und singt:
"Trauriges Leben am Rande der Stadt,
was bleibt ist Fernsehen und Betäubung satt,
Herumgeficke und Herumgemaule,
Langeweile und Katzengejaule,
wir träumen uns hinweg in den Dschihadd,
köpfen, töten; es wendet sich das Blatt;
Rache an der Gesellschaft, hilft kein Advokat,
und es hängt an der Laterne der Aristokrat!"
TB: "Ich bin nicht nach Paris gekommen, ich, Tittus Berlincorps, um mich aus einem schäbigen Laden hinauswerfen zu lassen!"
MM: "Dann kaufen Sie Quenelles! Alle Deutschen tun das neuerdings!- Das Schäbige, wie Sie es nennen, ist natürlich nur Tarnung. Gegenwärtig handeln wir mit Bürgerkriegsbedarf, aber wenn das Geschäft weiter gut läuft und wir expandieren, werden wir auch in Revolutionen machen."
TB: "Was soll das sein, 'Quenelles'?"
DA: "Klößchen."
MU: "Ich stelle sie her, in Akkordarbeit! Morgen kommt ein wichtiger Kunde, da muß das Lager voll sein."
MM (ihn ins Hinterzimmer schiebend): " - Jaja, und weil das so ist, gehst du jetzt wieder arbeiten! - Du sollst nicht mit den Kunden reden!"
TB: "Jetzt haben Sie mich neugierig gemacht. Klößchen... klingt wie Konfirmantinnentörtchen. Gibt es auch Klöße? Richtig fettig große, wo es quillt und schwillt und schwabbelt?"
MM: "Da müßten wir mit meinem Cousin Dieudonné M'Bala M'Bala sprechen, ob er eine Maxi-Ausgabe auf den Markt wirft."
HEINZ-HIMBERT HINRICHTSHOFEN kommt zur Tür hereingeschlendert. Er beginnt sich im Laden umzuschauen.
DA: "Ah, jener berühmte Komiker ist Ihr Verwandter! Und er ist der ideologische Kopf der Unternehmung?"
TB: "Ideologien! Theorien! Alles Humbug! Was man in die Hände nehmen und knautschen kann, das allein zählt!"
DA: "So wirst du aber nie über 'zwei' hinauskommen! Mir ist da schon jeder lieber, der bis 'drei' zählen kann."
TB: "Drei Titten sind widernatürlich!"
MM: "Sie müssen aber auch jede Diskussion auf Ihre Ebene hinabziehen, was?"
TB: "Was ist gegen die Horizontalebene einzuwenden? Im Stehen geht aber auch!"
DA: "Sind die Quenelles winterfest? Kann man sie bei sibirischen Temperaturen gebrauchen?"
TB: "Ich kenne übrigens Ihren Cousin! Wir schreiben uns erotische Briefe!"
MM: "Bin eigentlich davon ausgegangen, daß er sich nichts aus Kerlen macht."
TB: "Ich auch nicht! Das ist ein Mißverständnis. Ich wollte sagen, wir schicken uns fachkundige Briefe über weibliche Brüste, mit viel Anschauungsmaterial. Er ist mir ein Bruder im Geiste, und jetzt würde ich ihn gern besuchen."
HEINZ-HIMBERT HINRICHTSHOFEN räuspert sich und wendet sich den anderen zu.
HH: "Ich bin nicht sicher, um welche Art Geschäft es sich hier handelt. Vielleicht ist es auch eher eine Art Museum für Gewaltausbrüche. Ich suche ein hübsches Pariser Souvenir. Ob ich hier fündig werde?"
Vor der Ladentür singt der CHOR DER IMBECILES:
"Paris, Stadt der Liebe, Kitschesnest.
Postkarten mit Harlekins, Kinderfest,
Eiffelturm und Notre-Dame coloriert,
Napoleon sein Bogen, hochdekoriert,
gibts auch zu gedenken der großen Pest,
Bartholemäus-Nacht, Bourbonen-Inzest,
Massakern und dem Geschrei im Protest,
Kuchen statt Brot, aufs Schafott den Rest."
MM: "Noch ein Deutscher?"
HH: "In der Tat. Mein Name ist Heinz-Himbert Hinrichtshofen. Ich weiß, das ist kein schmeichelhafter Name, aber schließlich kann ich nichts dafür und umbenennen darf ich mich auch nicht."
DA: "Kommen Sie zu uns, bei uns hat man Sinn für diese Art Humor."
TB: "Hinrichtshofen? Hm, hieß nicht so ein hoher Funktionär des Dritten Reiches, ein Knudbert von Hinrichtshofen?"
HH: "In der Tat, mein unseliger Onkel. Aber dafür kann ich auch nichts, und ich distanziere mich aufs Entschiedenste von dieser Art Verwandtschaft."
MM: "Sie distanzieren sich? Warum rücken Sie nicht näher?"
DA: "Diese Sorte Menschen wird in Deutschland 'Systemlinge' genannt."
HH: "Wie? Sie meinen mich? - Ich muß doch bitten!"
MM: "Wenigstens dieser Monsieur wird sich gleich umdrehen und hier rausrennen, wenn ich ihm sage, daß er hier an der falschen Adresse ist."
HH: "Ich bin nicht nach Paris gekommen, um mich mit Nazis rumzuärgern. Ich bin Tourist, ich will mich amüsieren."


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Das Büro von LOUIS QUATORZE-QUINZE, Präfekt. Während er in Papieren wühlt, klingelt sein Telefon. Er nimmt ab und gibt nach kurzem Zuhören den Befehl, "ihn vorzulassen". Die Bürotür öffnet sich nach Anklopfgeräusch und herein kommen DUCLOS und BLANDINE, welche dem Polizisten etwas eingeschüchtert folgt. Der Präfekt bedeutet ihnen sich zu setzen.
QQ: "Vielleicht wundern Sie sich, daß Sie von mir vorgeladen wurden. Es hat mit Geheimhaltung zu tun, unter Umgehung von unnötigen Mitwissern im mittleren Polizeidienst. Haben Sie eine Ahnung, um was es hier geht, Duclos?"
D: "Da Herr Präfekt mich gebeten haben, Mademoiselle Blandine mitzubringen, ahne ich, daß es um die mysteriösen Vorgänge auf dem Friedhof geht."
QQ: "Auch. Wir werden Mademoiselle um einen Gefallen für die Republik bitten, darum wollte ich sie dabeihaben."
LOUIS QUATORZE-QUINZE erhebt sich von seinem Platz und kommt vor seinen Schreibtisch, gegen den er sich lehnt.
QQ: "Aber zunächst mal müssen wir über die Situation sprechen. - Es sind Dinge am Ablaufen, die uns beunruhigen. Eine Reihe verdächtiger Deutscher ist in die Hauptstadt gekommen und das Interesse dieser Leute zielt auf den Provokateur M'Bala M'Bala ab. Es scheint, als gibt es im Nachbarland eine hohe Nachfrage nach 'Quenelles' oder auch 'Querelles', so genau blicke ich da auch nicht durch, und wir müssen uns darüber Klarheit verschaffen. - Ich hoffe doch, daß Sie beide sich verdient machen wollen in dieser Sache?"
D: "Ich bin Polizist. Ich mache meinen Job. Und zwar gut."
QQ: "Das wissen wir. Darum habe ich auch begonnen, mein wohlwollendes Auge auf Ihrer Karriere ruhen zu lassen. Und wie steht es mit Ihnen, Blandine?"
BE: "Ich bin froh, daß Sie eine Entschuldigung für meinen Arbeitgeber geschrieben haben. Ich kann es mir nicht leisten meine Stelle zu verlieren wegen dem, was ich hier zu tun habe."
QQ: (nachsichtig) "Aber Sie haben ja nichts zu tun. Ich kann Ihnen keine Dienstanweisungen geben. Ihre Teilnahme ist rein freiwillig, aus einem Pflichtgefühl für das Wohl der Republik, wenn Sie so wollen. - Ich kann nur bitten, daß Sie mitmachen."
BE: "Aber ich weiß ja noch gar nicht, um was-"
QQ: "Darum sind Sie ja hier. Ich will Ihnen die Sache erklären und dann werden Sie eine Entscheidung treffen."
D: "Aber wir sollten Demoiselle Blandine keinen Gefahren aussetzen-"
QQ: (abwehrend) "Schon gut! Fangen Sie erst gar nicht davon an 'Gefahren' heraufzubeschwören, Duclos! Wir sind alle keine Anfänger, also beunruhigen Sie das Mädchen nicht unnötig."
D: "Wer kann wissen, ob-"
QQ: (energischer) "Ich sagte doch, es ist genug, Duclos! Schluß jetzt!" (freundlicher, zu BLANDINE gewandt) "Wir sind einer Gruppe Nazis auf der Spur, die sich in Frankreich herumtreibt und Kontakt mit unseren einheimischen Rechtsradikalen sucht. Aber wir brauchen nähere Informationen, ehe wir die Sache richtig einschätzen können. Da dachte ich, Sie könnten uns nützlich sein, indem Sie sich an die Gruppe heranmachen. Einer von denen schien ja Gefallen an Ihnen zu finden. Sie verstehen?"
BE: "Der Typ vom Friedhof, den Monsieur le Flic für einen Exhibitionisten gehalten hat?"
QQ: "Genau der. Ich sehe, Sie können mir folgen. Das freut mich."
D: "Aber Sie sollen mich doch nicht so nennen."
BE: "Pardon."
QQ: "Auf die Gefühle von Duclos brauchen Sie keine Rücksicht zu nehmen. Es ist sein Beruf, eine dicke Haut zu tragen, nicht wahr, Flic?"
D: "Jawohl, Monsieur le Préfet."
QQ: "Hier drinnen in meinem Büro können wir uns beleidigen so oft wir wollen, es hat keine Konsequenzen, so lange ich das nicht will. Er ist ein Flic und ich bin auch nur einer, nur mit größeren Epauletten. Nicht wahr, scheiß Monsieur le Flic?"
D: "Wenn Sie befehlen, Monsieur le Préfet!"
QQ: "Ich befehle es. Einfach aus einer Laune heraus, um Mademoiselle Blandine zu beruhigen. Sie kleiner Straßenflic, Sie."
BE: "Aber sie müssen ihn doch nicht ständig demütigen, Chef. Er ist ein guter Mensch, er hat ein bißchen Lob verdient."
QQ: (amüsiert) "Gut, Sie fühlen sich also schon für die Moral der Truppe zuständig?! Das lob ich mir!"
D: "Es ist nicht so schlimm wie es sich anhört. Man pflegt bei uns einen rauhen, aber herzlichen Umgangston."
BE: "Sie sind auch nur ein Mensch und Sie begeben sich in Gefahr fürs Allgemeinwohl, da sollte man Ihnen Respekt entgegenbringen."
QQ: "Köstlich! Wie in den Sechziger Jahren!"
D: "Ja, und wir sollten Mademoiselles Bild von uns nicht zerstören, meinen Sie nicht?"
QQ: "Aber wer tut das denn, Duclos?"
BE: "Was soll ich denn nun für Sie tun? Kann ich die Einzelheiten erfahren?"
D: "Ja, gute Idee, kehren wir zum Geschäftlichen zurück."
QQ: "Zum Geschäftlichen, soso... hm-hm, Herr Straßenflic... genug Zeit vergeudet, in medias res-"
Telefonklingeln. LOUIS QUATORZE-QUINZE umrundet seinen Schreibtisch um den Anruf entgegen zu nehmen.
QQ: (in den Hörer) "Na endlich, soll zu mir kommen. (...) Was? Die auch? (...) Wenn es sein muß. Aber es darf nicht lange dauern. Wir sind hier noch nicht fertig."
Er legt den Hörer auf, bleibt aber hinter seinem Schreibtisch.
QQ: "Kleine Pause, wir erhalten Besuch, wenn der hier ist, geht es weiter, einverstanden?
Es klopft an die Tür, auf einen Laut des Präfekten wird geöffnet und der AGENT PROVOCATEUR kommt herein. Er läßt die Tür offen und weist nach draußen, wo der CHOR DER POLITESSEN Aufstellung nimmt.
AG: "Die Damen von der Verkehrsüberwachung sind da, Monsieur le Préfet, und würden jetzt gern Ihnen ein Ständchen singen."
QQ: "Ich lasse bitten... und singen-"
D: "Was ist denn jetzt los?"
BE: "Hat wer Geburtstag?"
CHOR DER POLITESSEN singt:
"Parkvergehen, unerlaubtes Halten und Pinkeln.
Die Polizei sieht alles und gestrenge kassiert!
Hat ein Auge drauf wenn Trickbetrüger klingeln.
Kommt angerauscht wenn ein Malheur passiert.
Auch wenn es knarzt und knarrt unter Sparen,
die Polizei verhaftet eifrig alles und jeden!
trotzt selbst im Low-Budget allen Gefahren,
unverzichtbar hilft sie das Verbrechen befehden.
Und kommen die Extremisten geballter Faust,
stemmen wir von der Polizei uns ihnen entgegen.
Retten den braven Bürgern den Arsch, zerzaust,
doch zwingen wir die Bösen, sich uns zu ergeben!
Nur eins noch - spart uns nicht kaputt!
Im Prekärjob, unterzahlt oder in Teilzeit,
kriegen wir das Staatsschiff nicht mehr flott,
und aus wird's sein mit Demokratie und Freiheit!"
Die POLITESSEN verbeugen sich und gehen ab. LOUIS QUATORZE-QUINZE applaudiert ihnen hinterher.
AG: "Guten Tag, Mademoiselle Blandine. Hat man Ihnen schon reinen Wein eingeschenkt?"
D: "Gerade wollten wir damit anfangen. Aber dann ging das Gesinge los."
AG: "Dich habe ich doch gar nicht gefragt, Duclos. Ich pflege die Person anzuschauen, mit der ich spreche."
D: "Wäre mir neu, daß du jemandem offen ins Gesicht schauen könntest, bei dem Beruf, den du hast."
QQ: "Aber meine Herren, lassen Sie Ihre Rivalitäten stecken, wir sind doch alle im selben Verein-"
D: "Mehr oder weniger!"
QQ: "-und was soll Mademoiselle Blandine von uns denken?"
AG: "Für den Anfang würde mich erst mal interessieren, ob das Mädel überhaupt denken kann-"
D: "Ich hätte sie wohl kaum dafür vorgeschlagen, wenn ich Zweifel daran hätte!"
AG: "Ach du!" (winkt ab) "Woran hast du eigentlich keinen Zweifel?"
QQ: "Beide hinaus! Ich werde mit Blandine alleine sprechen! Stellt euch vor die Tür und achtet darauf daß wir nicht gestört werden!"
AGENT PROVOCATEUR und DUCLOS verlassen das Büro. Draußen stoßen sie auf die POLITESSEN, die kichernd auseinander gehen. LOUIS QUATORZE-QUINZE beginnt unhörbar auf BLANDINE einzureden.
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BRUTE betritt das kleine Theater des Faubourg. Er sieht SAINT-JUST bei Reinigungsarbeiten, zögert, ihn dabei anzusprechen, bis SAINT-JUST auf ihn aufmerksam wird und auf ihn zutritt.
SJ: "Haben Sie sich verirrt? Oder wollten Sie zum 'Main De Merde' Theater? - Heute ist aber keine Vorstellung, eigentlich ist geschlossen."
B: "Ist das nicht das 'Main D'Or' Theater?"
SJ: "Nur wenn man uns die Hand versilbert. Im Moment ist sie eher braun."
BRUTUS mustert SAINT-JUST von oben bis unten und gibt sich nicht viel Mühe, seine Geringschätzung zu verbergen.
B: "Sagen Sie, Sie sind doch Weißer. Wie können Sie nur für einen Neger hier gemeine Putzarbeiten verrichten? Haben Sie keinen Stolz?"
SJ: "Rassisten sind wir nur an Vorstellungstagen. Ansonsten bin ich jung und brauche das Geld."
B: "Hören Sie auf, mit mir so zu reden, als befänden wir uns auf einer Bühne... Sie mit Ihren schlauen Sprüchen. Wo ist M'bala M'bala?"
SJ: "Der vom 'Main De Merde' oder der vom 'Main D'Or'?"
B: "Mit euch degenerierten Franzosen kann man nicht vernünftig reden! Ich bin Brute!"
SJ: "Das ist unschwer zu erraten."
B: "Sie mißverstehen mich, ich heiße so. Und ich verbitte mir rassistische Spötteleien darüber."
Genervt schlägt er SAINT-JUST den Wischmopp aus der Hand.
B: "Tun Sie das Ding weg, das macht mich ganz nervös. Lassen Sie das von einem illegalen Einwanderer machen."
SJ: "Wollen Sie mir nicht verraten, was Sie von M'bala M'bala wünschen?"
B: "Das werde ich wohl kaum einem Dienstboten verraten. Auch wenn er ein Weißer ist."
SJ: "Ich bin sein Sekretär. Ich putze hier nur, weil wir am Personal sparen. Da hat jeder von uns eine Doppelfunktion. So wie der Chef. Der ist Theaterleiter, Autor - aber auch Revolutionär."
B: "Jetzt reden Sie endlich vernünftig. Darum bin ich ja hier. Ich bin Brute!"
SJ: "Weiß ich. Sie sagten es bereits."
B: "Nicht irgendein Brute. Sondern Le plus Brute des Brutes. Und ein Großabnehmer von Quenelles. Ich wage zu behaupten, ich bin Ihr bester Kunde."
SJ: "Ach, der! - Der, der ganze Lastwagen voller Quenelles ordert."
B: "Endlich kapieren Sie es. Genau, das bin ich. Bringen Sie mich jetzt endlich zum Chef, oder muß ich mir den Weg freischießen?"
SJ: "Hier ist aber das Theater. Die Quenelles bekommen Sie hier nicht, hier bekommen Sie nur Querellen."
B: "Wieso nicht?"
SJ: "Weil hier das Theater ist! Die Produktion ist woanders, in einer kleinen Manufaktur eines Verwandten des Chefs."
B: "Ich weiß, da komme ich her."
SJ: "Und? Hat man Sie dort nicht bedienen wollen? - Sie müssen nur diese Dünkel ablegen und freundlicher auftreten."
B: "Für mich gelten keine kleinbürgerlichen Konventionen. Im Übrigen wurde ich bedient. Aber man hat mich auf einen anderen Tag vertröstet."
SJ: "Was wollen Sie dann hier? Kommen Sie am bezeichneten Tag zurück in den Laden von M'Plem M'Plem und kaufen Sie das Zeugs."
B: "Ich wollte den großen schwarzen Meister persönlich kennenlernen."
SJ: "Den großen schwarzen Meister? Sie reden von meinem Chef, oder von Darth Vader?"
B: "Hören Sie auf, mich auf die Schippe zu nehmen. Ich bin da höchst empfindlich."
SJ: "Er ist aber gar nicht schwarz."
B: "Jaja, von mir aus halb-schwarz. Diese Details interessieren mich nicht. Ihr Franzosen könnt einfach nicht präzise denken, darum verliert ihr auch immer."
SJ: "Wenn Sie nicht permanent Frechheiten absondern würden, kämen Sie Ihren Zielen vermutlich näher."
B: "Sie als Putzhilfe können das doch gar nicht beurteilen, und als Franzose schon gar nicht."
SJ: "Wenn Sie so weiterreden, werde ich wieder zum Sozialisten. Sie sind als Rechter einfach unausstehlich, arrogant, wie Sie tun."
B: "Ich kann es mir erlauben. Und vergessen Sie nie, wir sind Ihre besten Kunden."
SJ: "Sie tun aber auch alles, daß ich es vergesse! Dabei sind wir doch Verbündete!"
B: "In der Tat, aber nur so lange, wie Sie dem künftigen Reich von Nutzen sind. Sehen Sie also zu, so nützlich wie möglich zu sein!"
Eine Tür geht auf und HEINZ-HIMBERT HINRICHTSHOFEN kommt herein.
HH: "Störe ich? - Sind Sie in einer Besprechung?  Mein Name ist Hinrichtshofen, Heinz-Himbert-"
SJ: "Oh je, noch einer. Gehören Sie zusammen?"
HH: "In meinem Stadtführer steht, dies sei ein berühmtes Szene-Theater, und zwar ein beschissenes..."
SAINT-JUST lacht.
HH: "Nein, ich meine das ganz im Ernst: das heißt hier doch 'Main de Merde'- Theater? Oder ist das eine Metapher?"
B: "Ich glaube, guter Mann, Sie suchen das 'Main D'Or' Theater. Hier sind Sie falsch."
HH: "Aber würden Sie nicht auch sagen, daß eine 'goldene Hand' manchmal auch von Exkrementen besudelt wird? Gerade im Kapitalismus?"
B: "Ich bin nicht hier, um mich in eine blödsinnige Diskussion unter kunstaffinen Schwätzern ziehen zu lassen!"
HH: "Ja, warum sind Sie dann hier? Sie sind doch wie ich Tourist, will ich annehmen?"
SJ: "Fragen Sie Brute lieber nicht, was er für einer ist und was er will. Es könnte Sie erschrecken. Und nun darf ich Sie beide bitten, uns zu verlassen. Es ist geschlossen. Kaufen Sie sich eine Theaterkarte und besuchen Sie morgen die Vorstellung."
HINRICHTSHOFEN und BRUTE wenden sich zum Verlassen des Theatervorraumes um. Während sie sich zur Tür bewegen, spricht BRUTE HINRICHTSHOFEN an.
B: "Sie haben mir alles vermasselt. Ich stand kurz davor, den großen schwarzen Meister der Provokation kennenzulernen. - Wie war doch gleich Ihr Name? Ich muß Sie in mein schwarzes Buch eintragen, für die große Abrechnung in der Zukunft."
HH: "Hinrichtshofen ist mein Name. Ich verstehe aber nicht, wovon Sie reden. Sie sind also kein Tourist?"
B: "Ein ehrwürdiger Name. Ich kenne ihn. Sie müssen sein Verwandter sein."
HH: "Oh, Sie wissen Bescheid!"
B: "Aber natürlich! Unter diesen Umständen streiche ich Sie wieder aus meinem schwarzen Vormerkbuch."
HH: "Wer sind Sie eigentlich?"
B: "Mit diesem Namen muß ich Sie auf die Mitgliederliste unserer Partei setzen, ob Sie wollen oder nicht."
HH: "Ich schäme mich aber!"
B: "Das legt sich wieder, keine Sorge. Wir sorgen schon dafür, daß Sie Ihr Haupt wieder mit Stolz tragen dürfen."
HH: "Ich will aber gar nicht!"
B: "Man muß das Volk immer zu seinem Glück zwingen, merken Sie sich das, Hinrichtshofen!"
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